Sachinhalt und sein Objekt

Die Anthropotheosophie, wie gesagt, ist die vom Menschen verstandene Göttliche Weisheit.

„Der Mensch vermag nicht, die göttliche Weisheit zu erfassen“, werden manche von ihnen behaupten. Im vollen, ganzen Umfang, natürlich nicht. Jedoch in diesem Begriff finden sie Worte „vom Menschen verstandene“. Das bedeutet, dass es möglich ist, Göttliche Weisheit teilweise zu verstehen. Diese Teile erschließen sich dem, der danach sucht.

Wie wird es nach dem Verstehen gesucht? Ein Intellektueller sucht mit Hilfe von Vernunft, indem er denkt, dass die Vernunft – das schärfste, genaueste und richtigste Instrument ist, das alles erklären kann, sogar Geheimnisse Gottes.

Ja, bestimmt ist dieses Instrument sehr wichtig,- sage ich ihnen. Es ist ein Skalpell, jedoch kein Röntgen. Ohne Hilfe von Röntgen wäre es einem Chirurgen nicht möglich festzustellen, wie er Skalpell verwenden muss, damit alle Krebszellen exakt und völlig herausoperiert werden. Nicht alle sich ausbreitenden Krebszellen können mit physischen Augen gesehen und mit Fingern aufgespürt werden. Ohne Hilfe von Röntgen kann man, leider, nicht immer genau die durch Krankheit geschädigten Zellen diagnostizieren.

Denk mal, also, nach, ob diejenigen, die der Meinung sind, dass ein Instrument alles erklären kann, nicht etwas komisch sind?

Wie kann man denn Göttliche Weisheit erklären? Was ist das für ein Instrument, das Funktionen von Röntgen und zugleich, wenn es nötig ist, Funktionen anderer, noch nicht erfundener Instrumente zu erfüllen vermag? Ausgerechnet dieses Instrument ist das Objekt der Anthropotheosophie. Nur mit seiner Hilfe erschließt sich Erkenntnis dessen, was die Vernunft wegen ihrer Begrenztheit nicht zu erkennen vermag. Dieses Objekt hat keine Grenzen. Je tiefer das eingesehen wird, desto umfassender wird dieses Objekt aufgefasst. Erkenntnis und Weisheit sind Bestandteile dieses Objekts. Ein Mensch, der sich bemüht, dieses Objekt aufzufassen, muss selbst zu diesem Objekt werden.  Je bewusster und tiefer er zu diesem Objekt wird, desto mehr offenbart sich für ihn die Göttliche Weisheit.

Aus diesem Grund behauptet die Anthropotheosophie, dass „die vom Menschen verstandene Göttliche Weisheit“  eigentlich die Auffassung dieser Weisheit ist, in dem Maße, wieweit ein konkreter Mensch dazu fähig ist, sich dem Objekt der Anthropotheosophie zu öffnen, zugleich einst damit werdend.

Somit bleibt uns noch übrig, das Objekt der Anthropotheosophie zu benennen. Es ist das Bewusstsein.

Bewusstsein ist die Gesamtheit von transpersonalen Faktoren, die das innere Wesen eines beliebigen Objekts erklären können.

In diesem Fall kann als Objekt sowohl ein beliebiger kosmischer Körper als auch alles, was in und auf der Erde existiert, also, auch der Mensch, bezeichnet werden. Alles, was nicht nur sichtbar, sondern auch unsichtbar ist und seine “Wellen ausstrahlt“ soll für Objekt gehalten werden.

Als transpersonale Faktoren bezeichnet man alles, was für physische Augen, die ein Objekt betrachten, unsichtbar ist, was mittels gewöhnlicher körperlicher Empfindungen nicht wahrgenommen werden kann. Es umfasst all das, wie breit die Weltsicht des Objekts ist, die auf Grund seiner Erfahrungen und Kenntnisse gebildet wird, wie tief oder oberflächlich das Objekt die Welt versteht und fähig ist, es zu begreifen und darin zu sein.

Bewusstsein ist überall. Alles hat oder kann es haben. Die Vernunft dünkt sich, dass wenn auf den ersten Blick etwas nicht lebendig zu sein scheint, bedeutet es, dass dieses „Etwas“ kein Bewusstsein haben kann. So ist es nicht. Kosmische Körper, Planeten und alles, was auf und um sie ist, haben Bewusstsein. Nur Spannweite und Realisationsformen von Bewusstsein sind unterschiedlich. Von einem bewussten Objekt (z.B. Mensch) geschaffene Dinge können Bewusstsein teilweise übernehmen oder auch gewinnen. Unterschied zwischen Bewusstsein, das man hat, und dem, das man erwirbt, besteht darin, dass das Bewusstsein, das man hat, in seiner Evolution keine Grenzen hat. Erworbenes Bewusstsein dagegen kann nur in dem Maße evolutionieren, in dem es geschaffenes Objekt zu evolutionieren vermag.

Klären wir das auf. Alle Welten mit all dem, was in ihnen ist, haben ihren Evolutionsurprung im Allgemeinen Bewusstsein, das sie als Gott bezeichnen. Sie sagen: “Gott hat Welten geschaffen”. Diesen Prozess werden wir später detailliert analysieren. Jetzt sagen wir nur so viel: da Gott alle Welten geschaffen hat, bedeutet es, dass jedes seiner Werke im Prozess der Evolution sein Bewusstsein erlangen kann, weil jedes Werk seinen Ursprung im Bewusstsein Gottes hat.

In diesem Fall spricht man in östlichen Lehren über die „Heimkehr“, also, über Rückkehr zum Gott, ins Allgemeine Bewusstsein, Großes Licht, Nichts…oder wie sie es nennen. Da wir auch den Menschen für das Werk Gottes oder des Allgemeinen Bewusstseins halten sollten, heißt es, dass er in vielen Etappen seiner Evolution Möglichkeit hat, immer tiefer und breiter die Göttliche Weisheit zu verstehen. Zu diesem Verstehen kommt man, wenn man allmählich zu begreifen beginnt, dass der Mensch nicht nur ein sichtbarer physischer Körper mit seinen üblichen fünf Sinnen ist, sondern dass der Mensch ein Bewusstsein ist. Gerade dieser Auffassungsprozess ist ein sehr langer und nicht leichter Weg zum Gott oder der Weg nach Hause.

Denken wir weiter nach. Um die Existenz des Körpers zu sichern, braucht der Mensch Dinge. Er schafft sie. So wird er zum Schöpfer oder Gott von diesen Dingen. Das bedeutet, dass alle seinen Werke, sei es Nahrung, Kleider, Auto u.s.w., können nur noch Bewusstsein ihres Schöpfers haben. Diese Regel gilt auch für künstlerisches Schaffen vieler Menschen, einerlei in welcher Form es dargestellt wird, d.h. je breiter Bewusstsein eines zum Schöpfer werdenden Menschen ist, desto mehr Bewusstheit strahlen seine Werke aus und desto mehr Nutzen bringen sie für diejenigen, die diese Werke besitzen und verwenden. Je geringer Bewusstsein des Menschen ist, desto geringer ist auch das Bewusstsein seiner Werke, desto weniger Bewusstheit strahlen sie für ihre Benutzer aus. Also, je bewusster der Mensch wird, desto mehrt passt er auf, wessen gekochtes Essen er isst und sogar  wessen genähte Kleider er trägt.  Das geschieht, weil der Mensch, selbst zur Bewusstseinsenergie werdend, immer tiefgründiger auch Energie seiner Umgebung aufspürt, deren Negativität ihn verletzt.

Überlegen sie sich, wie viele von heutigen klugen Menschen zerstören, anstatt zu schaffen. Zerstörende Wirkung hat auch ihr Schaffen, denn ihre Energie wird darin übertragen. Manche tun das, ohne es zu begreifen, manche jedoch machen das bewusst.

Die Anthropotheosophie  hilft die Bedeutsamkeit eines bewussten Weges zu verstehen und zeigt auf Leichtgläubige lauernde Gefahren. Gefahren aber sind fest mit Untugenden verbunden, die besonders üppig gedeihen, wenn man versucht, auf Rechnung der Tugenden zu leben.

Ein bewusstes Leben… – dahin führen anthropotheosophische Kenntnisse und die sich darauf gründende Lehre. Viele Wege, die zur Wahrheit führen, werden dem Erdenmenschen angeboten. Sie sollten verstehen, dass je reiner die Wahrheit ist, desto weniger verspricht sie oder verlockt, denn ihre Aufgabe ist, einfach zu sein und zu leuchten. Sie ist wie ein Leuchtturm am Meeresstrand. Er ruft nicht herbei und verlockt nicht. Er strahlt das Licht aus. Entweder hast du sein Licht gesehen oder verpasst…

Scheinwerfer oder Masken des Lichtes rufen herbei und verlocken auf verschiedene Weisen. Sie versprechen das, was für einen Suchenden wichtig zu sein scheint. Ihre Anziehungskraft ist auf Wünsche und Bestrebungen angewiesen. Darauf gehen diejenigen ein, die ihr wahres Ich verhüllende Masken noch nicht erkannt haben.

Hast du je gedacht, wie es zustanden gekommen ist, dass auf deinem Gesicht Masken aufgetaucht sind? Hat vielleicht dein Streben, wichtig, anerkannt, verstanden oder einfach gut zu sein, oder dein Wunsch, zu gefallen, dir diese Masken aufgetragen? Warum ist das passiert? Welchem Teil in Dir war es wichtig?

Du musst verstehen, dass erst nachdem du deine Masken und Motive ihres Tragens erkennst, bist du in der Lage, Masken abzulegen. Erst dann vermagst du dich deinem inneren, tief im Herzen verborgenen Wesenskern zu nähern.

Dann bist du eingeweiht.

Dann beginnst du den wahren Weg zur Göttlichen Weisheit oder nach Hause.

Dann verstehst du, dass alle Wege bisher nur noch Imitationen des Weges waren oder dass keiner davon deins war. Bis du aber deine eigenen Imitationen nicht erkennst, kannst du auch keine Imitationen des Weges erkennen. Es ist einfach so.

Du fragst: wie erkennt man das Wahre und das Falsche?

Ich habe deine Frage bereits beantwortet: erst nachdem man das Wahre und das Falsche in sich selbst erkennt…

Erst dann kommt man zur Einsicht, dass sich einem Wahrheits-und Wissenssucher viele Wege öffnen. Aber nur ein einziger davon ist ihm geeignet. Wer diesen Weg aufspürt, hat keine Fragen mehr, bloß bemüht sich, von diesem Wege nicht abzukommen.

Es ist der Anfang, der später zu deiner Großen Explosion wird. In diesem Prozess fällt alles, was nicht deins ist, weg und aus Nichts beginnt sich Alles zu bilden. Für diesen Anfang braucht man in Schwung zu kommen.

Aus diesem Grund  versucht derjenige, der anfängt, diesen Prozess in Schwung zu bringen, bewusst zu leben.  Solcher Mensch ist schon in der Lage, den Leuchtturm im Auge zu behalten, nachdem er ihn für sich entdeckt hat. Der Leuchtturm verliert sich aus den Augen deren, die vorspielen, erkannte Masken abgelegt zu haben. Dann wird das Licht des Leuchtturmes durch Scheinwerfer der Schiffe ersetzt.

Je bewusster der Mensch ist, desto stärker fühlt er sich von Werten angezogen, in denen sich wesentliche kosmische Prinzipien widerspiegeln. Je tiefgründiger sie verstanden werden, desto unwahrscheinlicher ist es, dass solche Menschen von Reichtümern dieser Welt oder Schätzen der unsichtbaren verlockenden Welten herangezogen werden können.

Du musst verstehen, dass der Mensch, der in seinem Herzen Himmelsregel trägt, keine Papierregel braucht. Solcher Mensch weiß und handelt.

Erst dann fängt der Mensch an, bewusst zu werden, wenn er nicht mehr in der Lage ist, eine beliebige Arbeit nachlässig zu erledigen, sein Wort zu brechen und, natürlich, anderen zu schaden. Antworte: Ist das wenig? Viele brauchen gar nicht mehr. Aber es gibt nur noch eine Handvoll Menschen, deren Bestimmung ist es, jetzt oder irgendwann später Kreuzträger zu werden. Solche lernen mit Freude, ihr Leben für beschriebene Werte aufzuopfern und, wenn es nötig ist, dafür zu sterben. Sie sind unsere Leuchttürme. Du kannst dir nicht vorstellen, wie viele Leben sie dafür gebraucht haben und wie hoch der Preis dieser Arbeit ist. Es ist ja genug, dass wir und diese Menschen es wissen.

Diejenigen von euch, denen das Karma zulässt, solche Leuchttürme zu erblicken und zu erkennen, sind sicher und geborgen, denn sie sind unsere Aufrufer. Eure Leuchttürme. Sie werden von uns geführt. Ihre Arbeit ist es, auf ihre Weise zu erklären, WOHER man kommt und wie man DORTHIN zurückkommt.

2007 02 27,

Vilnius

Kth., S.